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Ironie und Politik


Dozent/in Prof. Dr. phil. Christine Abbt
Veranstaltungsart Vorlesung
Code FS161270
Semester Frühjahrssemester 2016
Durchführender Fachbereich Philosophie
Studienstufe Bachelor Master Doktorat
Termin/e wöchentlich (Do), ab 03.03.2016, 10:15 - 12:00 Uhr, 3.B58
Umfang 2 Semesterwochenstunden
Inhalt Ironie heisst wörtlich „Verstellung“, „Vortäuschung“. In der Politik ist die Kunst der Verstellung einerseits gefragt und andererseits verpönt. Im Kontext von Populismus und dabei zum Zuge kommendem Pathos wird oft mit allem Nachdruck versucht, Ironie zu eliminieren. Statt die Komplexität eines Sachverhalts anzuzeigen, wird im Pathos die Vermittlung von Eindeutigkeit angestrebt. Unter einer gewissen Perspektive umfasst Pathos insofern eine besonders radikale Form von politischer Verstellung. Sie inszeniert, was in pluralen Gesellschaften kaum anzutreffen ist: Einhelligkeit in Bezug auf grundlegende Problemstellungen. Während Pathos sich unter der Bedingung realisiert, dass jede Art von Brechung ausbleibt, verwirklicht sich Ironie ihrerseits ausschliesslich in einem Modus der Differenzierung, der Distanznahme, des Bruchs. Ironie bespielt und anerkennt die Unterscheidung zwischen Gesagtem und Gemeintem, zwischen Sein und Schein, zwischen Konkretem und Allgemeinem, zwischen Vorher, Jetzt und Nachher. Wo Ironie zum Einsatz kommt, wird Mehrdeutigkeit vorgestellt. Das macht diese rhetorische Form auch politisch brisant, zeigt sich in der Ironie doch die Möglichkeit, Widersprüche und Gegensätze zusammen zu denken, ohne sie aufzuheben. Gilt Richard Rorty darum die „liberale Ironikerin“ als demokratisches Vorbild? Ist die ironische Haltung, wie sie Avishai Margalit bestimmt, deshalb unverzichtbar für politische Kompromisse? Es sind u.a. solche Fragen, die in der Vorlesung thematisiert und zur Diskussion gestellt werden.

Sprache Deutsch
Abschlussform / Credits Benotete Prüfung / 2 Credits (für alle Module ohne anderslautende Angabe)
Unbenotete Prüfung / 3 Credits (für Modul Philosophie)
Unbenotete Prüfung / 2 Credits (für Modul Philosophie)
Hörer-/innen Ja
Kontakt christine.abbt@unilu.ch
Literatur Texte u.a. von Platon, Machiavelli, Denis Diderot, Sören Kierkegaard, Friedrich Schiller, Vladimir Jankélévitch, Max Weber, Richard Rorty, Judith Butler, Jonathan Lear, Avishai Margalit u.a.