Sie sind nicht angemeldet

Fernstudium Trennung von Rechtsstaat und Religion. Risiken einer entgleisenden Säkularisierung


Dozent/in Prof. Dr. Adrian Loretan
Veranstaltungsart Hauptvorlesung
Code FS171003
Semester Frühjahrssemester 2017
Durchführender Fachbereich Theologie
Studienstufe Bachelor Master
Weitere Daten - Aufschaltung der Unterlagen zur Veranstaltung: Nach Möglichkeit am Anfang des Semesters, so die Planung.
- Aufschaltung der Podcasts: jeweils am Mittwochabend.
- Termine der Konferenz-Schaltungen: 03.04., 01.05. jeweils 19:00 Uhr,
jeweils eine Stunde, falls Bedarf länger.
Umfang 2 Semesterwochenstunden
Turnus Alle 4 Semester
Inhalt „Der Umgang mit moralischer und religiöser Vielfalt ist eine der grössten Herausforderungen, mit denen unsere Gesellschaften gegenwärtig konfrontiert sind.“ (Charles Taylor) Wie vertragen sich ein säkularer Staat und eine auf den Prinzipien der Aufklärung (Freiheit, Gleichheit, Solidarität) beruhende Gesellschaft mit dem Selbstverständnis der Religionsgemeinschaften?

Es geht um die Frage der Werte der Französischen Revolution. Diese hatte sich nach anfänglichem Zusammengehen mit dem niederen Klerus radikal antikatholisch und antireligiös entwickelt. Nur so sah sie eine Möglichkeit, die Demokratie zu legitimieren gegen das Königtum, das mit dem christlichen Gottesgnadentum theologisch begründet wurde. Das Lehramt der katholischen Kirche lehnte die Demokratie ab bis zur Weihnachtsansprache Pius XII. von 1944. Erst die Konzilserklärung (1965) zur Religionsfreiheit „Dignitatis Humanae [Personae]“ oder deutsch „Würde der menschlichen Person“ enthielt ein klares Ja zum Grundrecht der Religionsfreiheit und damit zum modernen demokratischen Verfassungsstaat.

Die Religionsfreiheit wird in ihrer europäischen „Entstehung nicht den Kirchen, nicht den Theologen und auch nicht dem christlichen Naturrecht verdankt, sondern dem modernen Staat, den Juristen und dem weltlich rationalen Recht“, so Ernst-Wolfgang Böckenförde. Die typisch europäische Wurzel des säkularen Staates wurde in der Französischen Revolution (laicité) nochmals radikalisiert. Die Trennung von Staat und Religion kann aber auch anders gesehen werden als in Frankreich. Die USA und Deutschland entfalteten je ein anderes Trennungsmodell.

In der Vorlesung wird u.a. mit Habermas und in Kritik an Habermas (Charles Taylor) aufzuzeigen versucht, wie der gesellschaftliche und rechtsstaatliche Diskurs aus der antireligiösen Sackgasse herausfinden kann. Religiöse und atheistische Menschen sollen ihre Argumente in den gesellschaftlichen Diskurs einbringen können.
Lernziele Verschiedene „Trennungsbegriffe“ anwenden und überschreiten lernen.
Voraussetzungen Einführung ins Kirchenrecht/Staatskirchenrecht erwünscht.
Sprache Deutsch
Prüfung Unbenoteter Leistungsnachweis:
- Gespräch über die Thematik der Veranstaltung (2 Cr)
Benotete mündliche Prüfung (3 Cr)
Abschlussform / Credits siehe Prüfung / 0 Credits (für alle Module ohne anderslautende Angabe)
Benotete mündliche Prüfung / 3 Credits (für alle Module ohne anderslautende Angabe)
Unbenoteter Leistungsnachweis / 2 Credits (für alle Module ohne anderslautende Angabe)
Benotete mündliche Prüfung / 3 Credits (für Modul Hauptvorlesung frei wählbar)
Hinweise - Pflichtinhalt gem. SPO 2013: Kirchenrecht/Staatskirchenrecht: Einführung in das rechtliche Verhältnis von Kirche und Staat
- Modus der Durchführung: Podcasts (wöchentlich).
Hörer-/innen Nein
Kontakt kirchenrecht@unilu.ch
Material Horst Dreier, Säkularisierung und Sakralität, Zum Selbstverständnis des modernen Verfassungsstaats, Tübingen 2013 (Fundamenta Juris Publici Nr. 2).
Literatur Hamed Abdel-Samad und Mouhanad Khorchide, Zur Freiheit gehört, den Koran (die Bibel) zu kritisieren. Ein Streitgespräch. Freiburg im Br. 2016.
James D. G. Dunn (Ed.) Fundamentalisms. Threats and Ideologies in the Modern World, London 2016.
Elham Manea, Woman and Shari’a Law, The Impact of Legal Pluralism in the UK, London 2016.
Katerina Dalacoura, Islam, Liberalism and Human Rights, London 2007.
Karl Kardinal Lehmann, Toleranz und Glaubensfreiheit. Geschichte und Gegenwart in Europa, Freiburg i.Br. 2015.
Barbara Gartner, Der religionsrechtliche Status islamischer und islamistischer Gemeinschaften, Wien 2011.
Simon Schädler, Der Schutz des religiösen Friedens als Staatsaufgabe. Eine juristische Untersuchung des öffentlichen Interesses am Frieden zwischen den Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften, Zürich 2014.
Daniel Bogner, Marianne Heimbach-Steins, Freiheit-Gleichheit-Religion. Orientierungen moderner Religionspolitik, Würzburg 2012.
Tine Stein, Himmlische Quellen und irdisches Recht. Religiöse Voraussetzungen des freiheitlichen Verfassungsstaates, Frankfurt 2007.
Adrian Loretan, Religionsfreiheit im Kontext der Grundrechte, Zürich 2011 (Bd. 2).