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Ikonografie der Pandemie: Fotografien, Grafiken und Karten zur Corona-Krise


Dozent/in Dr. phil. Sebastian Winfried Hoggenmüller
Veranstaltungsart Masterseminar
Code FS211325
Semester Frühjahrssemester 2021
Durchführender Fachbereich Soziologie
Studienstufe Master
Termin/e wöchentlich (Mi), ab 24.02.2021, 14:15 - 16:00 Uhr, HS 11
Umfang 2 Semesterwochenstunden
Inhalt Ende des Jahres 2019 traten in der chinesischen Metropole Wuhan die ersten Fälle einer unbekannten Atemwegserkrankung auf, die sich binnen weniger Monate zu einer weltweiten Pandemie ausweiteten. Seitdem vermelden zahlreiche Länder immer neue Höchstwerte an Neuinfektionen, beschliessen weitgehende Präventiv- und Schutzmassnahmen gegen die Ausbreitung des SARS2-Coronavirus und kämpfen zunehmend mit den sozioökonomischen Auswirkungen der sogenannten Corona-Rezession. Zur Informations- und Wissensvermittlung dienen dabei insbesondere Diagramme, Karten und animierte Grafiken, die vor allem in den Massenmedien zirkulieren und über das Virus aufklären sowie aktuelle Entwicklungen, Massnahmen und Hintergründe aufzeigen. Gleichzeitig verbreitet sich eine immense Vielzahl an Fotografien und Smartphone-Videos auf Social-Media-Plattformen wie Facebook oder Instagram, die das aktuelle Geschehen dokumentieren und im Sinne neuartiger Bildmotive und Bildtypen gedeutet werden können. So existieren beispielsweise Fotografien von neuen Begrüssungsformen wie dem «foot shake» und dem «elbow bump»; von verwaisten Strassen, wo sonst reges Treiben herrscht; von streng geordneten Konzertbesucher*innen, die mit Hygienemasken und unter Einhaltung des Mindestabstands miteinander feiern; von Personen in weisser Schutzkleidung, die grossflächig Desinfektionsmittel auf Strassen und Häuserwände sprühen oder von Hochzeitspaaren, die sich nach Ihrer Trauung mit Mund- und Nasen-Bedeckung küssen. Davon ausgehend, dass diese Bilder nicht bloss Abbilder oder Illustrationen der gegenwärtigen Situation sind, sondern spezifische Themen und eigenständige Vorstellungen der Corona-Krise bildanschaulich erzeugen, zielt das Seminar darauf, zu erforschen, was diese Bilder sind, wie sie als Instanzen der gesellschaftlichen Sinnproduktion funktionieren und welches Wissen sie über die Corona-Krise konkret vermitteln. Hierzu werden wir in einem ersten Schritt eine eigene Sammlung von Bildern zusammentragen, die ausdrücklich aus verschiedenen sozialen Feldern (Politik, Medien, Wissenschaft usw.) stammen und von unterschiedlicher medialer Gestalt (Fotografie, Video, Grafik etc.) sind. Die Bildrecherche ist dabei im Kern von der Frage geleitet, inwiefern bereits bei der systematischen Erstellung eines umfassenden visuellen Datenkorpus die Gütekriterien qualitativer Sozialforschung (z.B. die Gegenstandsangemessenheit, die empirische Sättigung oder die theoretische Sättigung) einzulösen sind oder an ihre Grenzen stossen. In einem zweiten Schritt gilt es, sich auf der Basis der Bildersammlung einer Ikonografie der Pandemie anzunähern und u.a. folgende Fragen zu diskutieren: Wie kann das Repertoire an Bildern und Symbolen der Corona-Krise soziologisch beschrieben und interpretiert werden? Welche spezifischen Wissensbestände (von Ideologien über Machtverhältnisse bis hin zu kulturellen Praktiken) lassen sich in diesen Bildern methodisch kontrolliert rekonstruieren? Und inwiefern weisen die Bilder inhaltliche und formale Traditionen, Verwandschaften oder Analogien zu anderen (historischen) bildhaften Krankheitsdarstellungen auf – etwa mit Blick auf Visualisierungen der Pest, von AIDS oder von Depressionen?
E-Learning Kurs auf https://lms.uzh.ch/url/repositoryentry/16940630423
Sprache Deutsch
Abschlussform / Credits Aktive Teilnahme (Referat; eigenes emp. Forschungsprojekt) / 4 Credits
Kontakt sebastian.hoggenmueller@unilu.ch
Material Texte werden über OLAT zugänglich gemacht.