| Dozent/in |
Guy Schwegler, MA |
| Veranstaltungsart |
Hauptseminar |
| Code |
FS221367 |
| Semester |
Frühjahrssemester 2022 |
| Durchführender Fachbereich |
Soziologie |
| Studienstufe |
Bachelor |
| Termin/e |
wöchentlich (Mi), ab 23.02.2022, 10:15 - 12:00 Uhr, HS 13 |
| Umfang |
2 Semesterwochenstunden |
| Inhalt |
Wir wissen im Alltagsleben, warum ein bestimmter Modestil, ein spezifisches Musikgenre oder auch eine gewisse Kommunikationsform «angesagt» ist – oder eben nicht. Diese Unterscheidung können wir auch in einen Zusammenhang mit Personengruppen stellen, entweder als positive Zuschreibung oder auch als negative Abgrenzung. Wir wissen also, dass sich Geschmack nicht einfach nur unterscheidet – und was jeweils gut und was schlecht ist. Ein soziologischer Ansatz, mit dem solche Unterscheidungen und Zuordnungen analysiert werden können, ist die Lebensstilanalyse. Diese erweitert die Ungleichheitsforschung und die objektive Sozialstruktur um symbolische Dimensionen: Die Unterscheidung von Gruppen sowie die Reproduktion von Ungleichheit erfolgt auch über Vorlieben, Auffassungen oder Einstellungen, so dass symbolische Ressourcen materielle Ressourcen ergänzen (Bourdieu 1982 [2016]). In der Debatte um Lebensstile war über lange Zeit ein zentraler Diskussionspunkt, ob die symbolische auch die objektive Dimension repräsentieren kann (Beck 1983, Otte 2004). Neben dem Ob kann aber auch der Frage nachgegangen werden, wie sich die objektiven Ungleichheiten in den symbolischen Unterschieden reproduzieren und umgekehrt. Im Zentrum des Forschungsseminars stehen die theoretischen und methodischen Aspekte, die sich neu aus der Frage nach dem Wie der Lebensstile ergeben. Theoretisch interessieren wir uns für die Konstruktion von symbolischen Ungleichheiten und den so ersichtlichen Mustern: etwa für die Bedeutung von Diskursen für Lebensstile (Diaz-Bone 210) oder den Grenzziehungen, die daraus folgen (Lamont 1992). Methodisch gilt es dann Strategien zu finden, mit denen solche Konstruktionen gefasst werden können: etwa die Anwendung von inhaltsanalytischen Verfahren (Mayring 2015) auf mediale Beschreibungen und Repräsentationen von Lebensstilen. Im Verlauf des Semesters werden wir so übergehen von der Erarbeitung theoretischer Grundlagen und der Diskussion möglicher Fragestellung hin zum Kennenlernen und Verwenden von Methoden. All dies erfolgt im Hinblick auf ein eigenes Forschungsprojekt der Seminarteilnehmer*innen, das während des Semesters umgesetzt wird. In den Projekten möchten wir die symbolischen Ungleichheiten von Lebensstilen als zugleich persönlich-alltägliche und öffentlich-gerahmte Aspekte beforschen. |
| Voraussetzungen |
Die Veranstaltungen «Einführung in die Methoden der empirischen Sozial- und Kommunikationsforschung» I+II sollen erfolgreich besucht worden sein. Ebenfalls hilfreich ist es, wenn Kenntnisse der Statistiksoftware R sollten vorhanden sind. |
| Sprache |
Deutsch |
| Abschlussform / Credits |
Aktive Teilnahme (inkl. Ausarbeitung eines Forschungsprojekts) / 4 Credits
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| Hörer-/innen |
Nein |
| Kontakt |
guy.schwegler@unilu.ch |
| Material |
Texte werden über OLAT zugänglich gemacht, während empirischen Daten entweder erhoben oder (im Falle von Sekundärdaten) zur Verfügung gestellt werden. |
| Literatur |
Beck, Ulrich. 1983. Jenseits von Klasse und Stand? Soziale Ungleichheit, gesellschaftliche Individualisierungsprozesse und die Entstehung neuer sozialer Formationen und Identitäten. In Soziale Ungleichheiten, Soziale Welt. Sonderband 2, 35–74. Göttingen: O.Schwartz.
Bourdieu, Pierre. 2016. Die feinen Unterschiede: Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft. 25. Auflage. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
Diaz-Bone, Rainer. 2010. Kulturwelt, Diskurs und Lebensstil: eine diskurstheoretische Erweiterung der Bourdieuschen Distinktionstheorie. 2., erw. Aufl. Wiesbaden: VS, Verl. für Sozialwiss.
Lamont, Michèle. 1992. Money, morals, and manners: the culture of the French and American upper-middle class. Chicago: University of Chicago Press.
Mayring, Philipp. 2015. Qualitative Inhaltsanalyse: Grundlagen und Techniken. 12., überarbeitete Auflage. Weinheim Basel: Beltz Verlag.
Otte, Gunnar. 2004. Der Status Quo der Lebensstilforschung. In Sozialstrukturanalysen mit Lebensstilen, 19–42. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. |