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Schule machen: Kulturwissenschaften als pädagogisches Projekt


Dozent/in Sahra Lobina, MA
Veranstaltungsart Hauptseminar
Code FS261502
Semester Frühjahrssemester 2026
Durchführender Fachbereich Kulturwissenschaften
Studienstufe Bachelor Master
Termin/e wöchentlich (Mo), ab 23.02.2026, 14:15 - 16:00 Uhr, 4.B51 (Terminierung 1)
Umfang 2 Semesterwochenstunden
Turnus wöchentlich
Inhalt Wieso lernen, wenn alles online ist? Bildung ist ein hochpolitisches Thema: Wer steckt was rein – und wer holt was raus? Formen wir Genies für ihre Karrieren oder (kleine) Menschen zu grossartigen Bürger:innen? Und welche Rolle spielt soziale Gerechtigkeit für das, was in Klassenzimmern passiert: Wer bleibt ausgeschlossen? Was taucht nicht auf im Lehrplan? Wer ist unmöglich, was ist unsagbar?

Als emanzipatorisches, politisches Projekt können Cultural Studies sich nicht auf das Feld des Akademischen beschränken. Nicht zufällig haben sich zahlreiche Kulturwissenschaftler:innen in der Pädagogik engagiert. Stuart Hall war aktiv beteiligt an offenen Bildungsformaten (Erwachsenenbildung, Fernuniversität, BBC-Nachtprogramme): Öffentliches Denken war ein zentraler Bestandteil seiner Kulturpolitik. bell hooks identifizierte sich als Lehrerin in der dekolonialen Praxis; mit intersektionalen Ansätzen erhielt die Befreiungspädagogik neuen Schub. Und Sara Ahmed’s Reflexion von diskriminierenden Praktiken an ihrer Universität veranlasste sie dazu, persönliche Konsequenzen zu ziehen und ihre Professur aufzugeben.

Umgekehrt haben auch scheinbar sperrige kulturwissenschaftliche Theorien ihren Weg in die pädagogische Praxis gefunden. So gibt es konkrete Programme, um Haraway oder Latour auf Kindergartenstufe zu unterrichten: Multispeziesvulnerabilität wird mit Regenwürmern und Ameisen erfahrbar gemacht, und das Menschenkind als alleinige:r Akteur:in dezentriert.

Dieses Hauptseminar untersucht Bildung als kulturwissenschaftliches Projekt. Erziehung und Bildung werden als wesentlicher Bestandteil eines pädagogischen Verhältnisses verstanden, das Hegemonie (mit)konstituiert – oder aber diese kritisch reflektiert. Am Beispiel ‘Bildung’ verbinden wir kulturwissenschaftliche Theorien mit ganz konkreten Praktiken und stellen beide auf den Prüfstand: Wir diskutieren Bildungsungleichheit, epistemische Gerechtigkeit und pädagogische Utopien.
Sprache Deutsch
Abschlussform / Credits Bestätigte Teilnahme / 4 Credits
Kontakt sahra.lobina@unilu.ch
Literatur Ahmed, Sara: On being included. Racism and Diversity in Institutional Life. London 2012.
Engel, Antke: Queer Theorie – Queer_Pädagogik. Eine Einführung. Weinheim 2024.
Hall, Stuart: Absolute beginnings: Reflections on the secondary modern generation. In: Universities and New Left Review 7:4 (1959), 16-25.
hooks, bell: Teaching to Transgress: Education as the Practice of Freedom. New York 1994.
Jäckle, Monika: Sorge. Existenz, Resonanz und Differenz und ihre Implikationen für die Schule. In: Jäckle, Monika, Wuttig, Bettina u. Fuchs, Christian (Hg.): Handbuch Trauma – Pädagogik – Schule. Bielefeld 2017, 611-633.
Lillie, Karen: Geographies of wealth: The materiality of an elite school in Switzerland. In: Discourse. Studies in the Cultural Politics of Education 45:3 (2024), 382-395.
Merkens, Andreas (Hg): Antonio Gramsci. Erziehung und Bildung. Hamburg 2004.
Miethe, Ingrid, Wagner-Diehl, Dieter u. Kleber, Birthe: Bildungsungleichheit. Von historischen Ursprüngen zu aktuellen Debatten. Opladen u. Toronto 2021.
Paraskeva, João: Conflicts in curriculum theory. Challenging hegemonic epistemologies. New York 2011.
Price, Margaret: Mad at School. Rhetorics of Mental Disability and Academic Life. Michigan 2011.
Taylor, Affrica u. Pacini-Ketchabaw, Veronica: Learning with children, ants, and worms in the Anthropocene: towards a common world pedagogy of multispecies vulnerability. In: Pedagogy, Culture & Society 23:4 (2015), 507-529.