Sie sind nicht angemeldet

Künstliche Freundschaft, künstliche Liebe - die Intimität der KI 2.0


Dozent/in Prof. Dr. phil. Gaetano Romano
Veranstaltungsart Hauptseminar
Code FS261514
Semester Frühjahrssemester 2026
Durchführender Fachbereich Soziologie
Studienstufe Bachelor
Termin/e wöchentlich (Mo), ab 23.02.2026, 12:15 - 14:00 Uhr, 3.B52
Umfang 2 Semesterwochenstunden
Inhalt Diese Veranstaltung beschäftigt sich mit ‘artifizieller Intimität’– einer Intimkommunikation also, die sich als Kommunikationspartner/in eine KI wählt. Sie schliesst an ein Seminar gleichen Namens an, das im Frühjahrssemester 25 stattfand. Die wesentlichen Themen des letztjährigen Seminars werden wiederaufgenommen, doch zusätzlich zu weiterer Literatur, die inzwischen publiziert worden ist, wird das Seminar insbesondere auch auf Arbeiten von Studierenden eingehen (und diese als Literaturbestände des Seminars behandeln), die im Kontext des Seminars verfasst und eingereicht worden sind.
Artificial Intimacy: Was lange nach Science Fiction klang, ist schon länger keine Science Fiction mehr. Sofern der Fehler vermieden wird, die Gesellschaft und ihre KI anthropomorph zu denken – also als Replikate oder Ausdehnungen eines im eigenen Bewusstsein zentrierten Mensch-Seins. Large Language Models à la ChatGPT oder Gemini simulieren nicht Bewusstsein – sie simulieren Kommunikation. Und sind damit als empirischer Härtetest gesellschaftstheoretischer Grundannahmen gemeint, die im Rahmen des amerikanischen Pragmatismus (insbesondere: George Herbert Mead) vor über hundert Jahren bereits vorbereitet worden sind (und auf die etwa Alan Turing zurückgreift, wenn er bereits Mitte des 20. Jahrhunderts die Grundideen entwirft, die inzwischen in der Form der Large Language Models der KI konkretisiert worden sind): dass nämlich Gesellschaftlichkeit in Kommunikation gründe, nicht in Bewusstsein – und KI genau dies, und nur dies, simulieren könne.
Freundschaft und Liebe mögen ihre bewusste Innenseite haben – sozial gesehen sind sie jedoch Semantiken, also historisch wandelbares Wissen darüber, wie Emotionen à la Freundschaft oder Liebe kommunikativ zu behandeln sind. Sie werden erlernt, vor allem aus den Massenmedien, und wandeln sich, vor allem im Zuge medialer Umbauten (oder gar Revolutionen) der Gesellschaft – wie etwa der Computerrevolution. Wenn dem so ist: kann auch eine KI diese Semantiken erlernen – und praktizieren? Plattformen, die dies zu tun versprechen, sind bereits auf dem Markt (etwa Replika).
Offensichtlich bewegt sich das Seminar mit solchen Fragen an der Front der laufenden Forschung – auf offenem und vielfach noch unsicherem Terrain, das aber zumindest jetzt auf interessante Vorarbeiten zugreifen kann, die aus dem letztjährigen Seminar heraus entstanden sind. Dabei leiten weiterhin drei konkrete Ziele das Seminar an: Zunächst gilt es, zu verstehen, wie Large Language Models funktionieren, und wie voraussetzungsvoll die gesellschaftstheoretischen Implikationen ihrer Funktionsweise angelegt sind. Sodann gilt es, ein Verständnis von Intimität als historisch wandelbarer Semantik zu entwickeln – und ihren Wandel in Beziehung zu sehen mit medialen Umbrüchen der Gesellschaft (die Leitthese der ‘Medium Theory’). Und schliesslich soll es darum gehen, zu verstehen, ob und warum so etwas wie artifizielle Intimität, also bewusstlose Intimkommunikation mit einem artifiziellen Kommunikationspartner möglich sein kann – wie es etwa Replika anbietet und Spike Jonze in seinem filmischen Meisterwerk ‘Her’ schon länger vorausgeahnt hat.
Voraussetzungen Bereitschaft zu forschungsoffener Arbeit, insbesondere auch selbstständiger Literaturrecherchen und -auswertungen. Es sind auch Studierende willkommen, die formal noch nicht im Hauptstudium sind, aber zumindest den ersten Teil der Einführung in die Kommunikationssoziologie besucht haben.
Sprache Deutsch
Anmeldung ***Wichtig*** Um Credits zu erwerben ist die Anmeldung zur Lehrveranstaltung über das UniPortal zwingend erforderlich. Die Anmeldung ist ab zwei Wochen vor bis zwei Wochen nach Beginn des Semesters möglich. An- und Abmeldungen sind nach diesem Zeitraum nicht mehr möglich. Die genauen Anmeldedaten finden Sie hier: http://www.unilu.ch/ksf/semesterdaten
Leistungsnachweis Aktive Teilnahme mit Literaturrecherchen, Referaten, Memos (Details zu vereinbaren).
Abschlussform / Credits Aktive Teilnahme (Details siehe 'Leistungsnachweis') / 4 Credits
Hörer-/innen Nein
Kontakt gaetano.romano@unilu.ch
Material Die Texte werden über OLAT zugänglich gemacht.
Literatur Die Literaturliste wird zu Semesterbeginn verteilt und diskutiert.