| Dozent/in |
Dr. des. Hannah Bennani |
| Veranstaltungsart |
Masterseminar |
| Code |
HS171551 |
| Semester |
Herbstsemester 2017 |
| Durchführender Fachbereich |
Soziologie |
| Studienstufe |
Master |
| Termin/e |
Fr, 06.10.2017, 10:15 - 17:00 Uhr, 3.A05 Sa, 07.10.2017, 09:15 - 16:00 Uhr, 3.A05 Fr, 24.11.2017, 10:15 - 17:00 Uhr, 3.A05 Sa, 25.11.2017, 09:15 - 16:00 Uhr, 3.A05 |
| Umfang |
2 Semesterwochenstunden |
| Inhalt |
„Frauen“, „Menschen mit Behinderungen“, „Flüchtlinge“, „Kinder“, „Muslime“, aber auch „Indigene mit Behinderungen“ oder „minderjährige Flüchtlinge“ – die soziale Welt repräsentiert sich als facettenreich. Diese und andere „Humandifferenzierungen“ (Hirschauer), so eine der zentralen Einsichten der Klassifikationssoziologie, bilden Wirklichkeit jedoch nicht nur ab, sondern stehen für voraussetzungs- und folgenreiche gesellschaftliche Konstruktionsleistungen. Kategorien basieren auf sozialen Prozessen des „Lumping and Splitting“ (Zerubavel), der Betonung von innerkategorialen Gemeinsamkeiten und interkategorialen Differenzen: Auch wenn sich beispielsweise „Frauen“ in vielerlei Hinsicht – etwa: soziale Herkunft, Glauben, Gesundheitszustand – unterscheiden, werden ihre Gemeinsamkeiten als relevanter eingestuft und die Unterschiede zu Männern überbetont. Es erscheint als natürlich, von „den Frauen (der Welt)“ zu sprechen, und die Verortung dies- oder jenseits der kategorialen Grenze zieht eine Reihe institutioneller Folgen nach sich; man denke etwa an Lohnungleichheit, Frauenfußball oder die Frauenrechtskonvention CEDAW.
Allerdings ist sowohl in historischer als auch in kulturell vergleichender Perspektive und von Gesellschaftsbereich zu Gesellschaftsbereich durchaus variabel, welche Unterscheidungen sich etablieren konnten, welche Kategorien differenziert werden, und auf welchen Mechanismen der Grenzziehung diese beruhen. Welche sozialen Prozesse liegen Kategorienbildung zugrunde? Wie vollzieht sich kategorialer Wandel im Spannungsfeld von Selbst- und Fremdbeschreibungen? Welches sind die Folgen kategorialer Zuschreibungen? Was sind Voraussetzung und Folgen von Kategorien in „globalen Settings“? Diese und weitere Fragen werden wir in dem Seminar diskutieren. Ausgangspunkt sind theoretische Schlüsseltexte der neueren Soziologie der Klassifikation und des Vergleiches sowie Überlegungen zu „globalen Kategorien“. Davon ausgehend werden empirische Beispiele (etwa „Geschlecht“, „Behinderung“, „Rasse/Indigenität“) genauer in den Blick genommen. Diese Fälle werden wir abschließend mit Blick auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede vergleichen und auf ihre Generalisierungsfähigkeit hin befragen. |
| Sprache |
Deutsch |
| Abschlussform / Credits |
Aktive Teilnahme (Referat) / 4 Credits
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| Hörer-/innen |
Nein |
| Kontakt |
hannah.bennani@uni-tuebingen.de |
| Literatur |
Bennani, H., 2015: Indigenenrechte sind Menschenrechte: Zur Institutionalisierung einer globalen Kategorie und ihrer Verortung im Feld der Menschenrechte, in: B. Heintz/B. Leisering (Hrsg.), Menschenrechte in der Weltgesellschaft. Deutungswandel und Wirkungsweise eines globalen Leitwerts. Frankfurt am Main/New York, S.?317–351. Fourcade, M. (2016): Ordinalization: Lewis A. Coser Memorial Award for Theoretical Agenda Setting 2014. Sociological Theory 34(3): 175–195. Heintz, B., 2016: »Wir leben im Zeitalter der Vergleichung.« Perspektiven einer Soziologie des Vergleichs. Zeitschrift für Soziologie 45(5): 305–323. Hirschauer, S., 2014: Un/doing Differences. Die Kontingenz sozialer Zugehörigkeiten. Zeitschrift für Soziologie 43: 170–191. Lamont, M. & V. Molnár, 2002: The study of boundaries in the social sciences. Annual Review of Sociology 28: 167–195. Lee, S.M., 1993: Racial Classifications in the US Census: 1890–1990. Ethnic and Racial Studies 16: 75–94. Loveman, M. & J.O. Muniz, 2007: How Puerto Rico Became White: Boundary Dynamics and Intercensus Racial Reclassification. American Sociological Review 72: 915–939. Müller, M., 2017: „You know you’re not part of it“. Die Konstruktion von Unvergleichbarkeit behinderter Menschen im (Hochleistungs-)Sport, in: dies./Steuerwald, Christian (Hg.): Von Muhammad Ali über Oscar Pistorius bis Caster Semenya: gender, race und disability im Sport. Bielefeld. Nagel, J., 1995: American Indian Ethnic Renewal: Politics and the Resurgence of Identity. American Sociological Review 60(6), S. 947-965. Starr, P., 1992: Social categories and claims in the liberal state. Social Research 59: 263–295. Zerubavel, E., 1996: Luming and splitting: notes on social classification. Sociological Forum 11: 421–433. |