| Dozent/in |
PD Dr. Mag. theol. David Neuhold |
| Veranstaltungsart |
Hauptseminar |
| Code |
HS201375 |
| Semester |
Herbstsemester 2020 |
| Durchführender Fachbereich |
Theologie |
| Studienstufe |
Bachelor
Master
Doktorat |
| Weitere Daten |
- Vorbesprechung: Mi., 30.09., 18:15-19:00 Uhr (Zoom)
- Zoom-Meetings: Mo., 16.11.2020/11.01.2021, jeweils 19:00-20:30 Uhr
- Blockveranstaltung:
Sa., 23.01.2021, 09:00-16:00 Uhr
So., 24.01.2021, 09:00-16:00 Uhr
Mo., 25.01.2021, 09:00-12:00 Uhr |
| Umfang |
2 Semesterwochenstunden |
| Inhalt |
Dem letzten Ketzerprozess im katholischen Vorort Luzern geht dieses kirchenhistorische Seminar nach. Mittels verschiedener Tiefenbohrungen im vorhandenen Quellenmaterial des Staatsarchivs Luzern sowie in der Sekundärliteratur wird das getan, aber auch anhand des Besuches von «Originalschauplätzen». Im Frühling 1747 wurde der durch Haft und Folter ausgemergelte Jakob Schmidli(n) erwürgt und in der Folge mitsamt als gefährlich erachteter Bücher und Druckwerke in Emmenbrücke verbrannt. Sein Anwesen in Sulzig ob Werthenstein wurde dem Erdboden gleichgemacht, eine Schandsäule errichtet, Familie und Angehörige in grosser Zahl des Landes verwiesen. Wir wollen uns mit dem Schicksal des Unglücklichen und seines Umfelds befassen, aber auch mit der Institution des Inquisitions- bzw. Ketzerprozesses, dem konkreten Sitz im Leben dieser Vorfälle sowie der nachfolgenden schillernden Rezeptions- und Wirkungsgeschichte. So heisst es 1801 in der in Bern gedruckten «Kleinen Schweizerchronik»: «Schmidlin Schmidlin! du hattest zeitliche Angst bey deinem Tode, aber nun sehe ich dich im Geist mit himmli[s]cher Glorie umgeben; und deine Henker im Schwefelpfuhl – wo es an ewiger Angst nicht fehlt.» Im Seminar werden also Dynamiken des ancien régime mit dessen Verschränkung von Thron und Altar ebenso ausgelotet wie (leider zeitlose) niedere menschliche Instinkte und Verhaltensweisen sowie der Gebrauch und Missbrauch religiöser Semantiken und Bilder, wie dem des Unkrauts unter dem Weizen nach Matthäus, Kapitel 13. |
| Lernziele |
Archivarbeit, Quellenkritik und die Analyse einer vielfältigen Wirkungsgeschichte stehen im Zentrum des Seminars, das eine kollektive, partizipative und «emergente» Arbeit mit Texten und Bilder zum Ziel hat. In einem eng abgesteckten Bereich sollen Studierende induktiv auf der Basis einer lokal-historischen Begebenheit sich historische und theologische Kompetenzen aneignen und insbesondere Inklusions- und Exklusionsmechanismen ausmachen. Dabei steht u.a. im Fokus, sich einerseits in eine vergangene Zeit und ihre Mentalitäten hineinzuversetzen, im gleichen Atemzug soll aber die heutige «Urteilskraft» kritisch bestärkt werden. Ein Lernziel ist darin zu sehen, dass die am Seminar Teilnehmenden zentrale Fragen zum Prozess von 1747 beantworten und z.B. auf einer Luzernischen Gemeindeversammlung respektive einer Kirch- oder Moscheegemeinde dazu Rede und Antwort stehen können. |
| Voraussetzungen |
Für Bachelorstudierende Theologie: Besuch einer Vorlesung des Fachbereichs Kirchengeschichte. |
| Sprache |
Deutsch |
| Begrenzung |
Max. 20 Teilnehmende |
| Leistungsnachweis |
Bestätigte Teilnahme (2 Cr)
Bestätigte Teilnahme mit Referat (3 Cr)
Benotete schriftliche Arbeit (4 Cr) |
| Abschlussform / Credits |
siehe "Prüfung" / 0 Credits
Bestätigte Teilnahme / 2 Credits
Bestätigte Teilnahme mit Zusatzleistung / 3 Credits
Benotete schriftliche Arbeit / 4 Credits
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| Hinweise |
Modus der Durchführung: siehe "Weitere Daten" |
| Hörer-/innen |
Ja |
| Kontakt |
david.neuhold@unifr.ch |
| Anzahl Anmeldungen |
18 von maximal 20 |
| Literatur |
Hans Wicki, Letzter Ketzerprozess im kath. Vorort Luzern: das tragische Schicksal des Gottsuchers Jakob Schmidlin von der Sulzig ob Werthenstein, in: Heimatkunde Wiggertal 44 (1986) 177-226.
Anton Schwingruber, Jakob Schmidlin (genannt Sulzig Joggeli), in: Blätter für Heimatkunde aus dem Entlebuch 51 (1978) 81-120 sowie ders., Jakob Schmidli von der Sulzig (1699-1747) (genannt Sulzjoggeli), in: Hans Halter (Hg.), Ketzer und Sekten einst und heute. Toleranz und ihre Grenzen in Kirche, Gesellschaft und Staat, Luzern 2002, 10-16.
Thomas K. Kuhn, Religionsfreiheit – Beispiele aus dem schweizerischen Diskurs des 18. und 19. Jahrhunderts, in: Reinhold Bernhard/Thomas K. Kuhn (Hg.), Religionsfreiheit. Schweizerische Perspektiven, Zürich 2007, 13-36.
Aram Mattioli, Durch göttliche Gnade erwürgt, in: Die Zeit, 11.4.2001, 72 sowie Markus Lischer, Art. Schmidlin, Jakob, in: Historischen Lexikon der Schweiz (https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/014486/2012-10-18/).
Eine umfassendere Literaturliste wird am 30. September verteilt. |