| Termin/e |
Di, 15.09.2020, 12:00 - 13:00 Uhr, HS 2 (Einführungsveranstaltung) Fr, 09.10.2020, 09:15 - 17:00 Uhr, 4.B02 Sa, 10.10.2020, 09:15 - 15:30 Uhr, 4.B01 Fr, 06.11.2020, 09:15 - 17:00 Uhr, 4.B51 Sa, 07.11.2020, 09:15 - 15:30 Uhr, 4.B02 |
| Inhalt |
Die Europäische Union (EU) wir in öffentlichen Debatten seit langem als zu distanziert und technokratisch kritisiert. Zunehmend wird ihr auch vorgeworfen, dass sie die Problemlösungskapazitäten ihrer Mitgliedstaaten untergräbt und die Ungleichheit sowohl innerhalb als auch zwischen diesen erhöht. Viele erachten die EU deshalb als sozial ungerecht und demokratisch illegitim. Doch an welchen Legitimitätsprinzipien sollten wir uns bei der Beurteilung solcher Ansichten orientieren? Sollte die EU nach denselben Standards wie einzelne Staaten bewertet werden? Welche Grundsätze der sozioökonomischen Gerechtigkeit sollen gegebenenfalls auf EU-Ebene gelten? Wie würde ein Europa aussehen, das soziale Gerechtigkeit fördert und nicht untergräbt? Und wie sollten wir uns das Verhältnis von Gerechtigkeit und Legitimität auf EU-Ebene vorstellen? All dies sind wichtige normative Fragen, mit denen sich das Seminar auseinandersetzt. Das Seminar ist in drei Teile gegliedert. Der Erste widmet sich der Frage, ob die EU legitim und demokratisch ist. Der zweite, ob sie gerecht ist; und der dritte, ob (und in welcher Form) die Desintegration der EU wünschenswert ist. Jeder Teil beginnt mit der Untersuchung der jeweiligen normativen Grundlagen von Legitimität und Demokratie, Gerechtigkeit und Desintegration. Anschliessend folgt deren Anwendung auf die EU und ihre Institutionen. Zu den behandelten Themen (aus normativer Sicht) gehören: das Demokratiedefizit der EU, die Auswirkungen des Binnenmarkts auf die Wohlfahrtsstaaten, die Reform der Eurozone, die EU-Sozial- und Flüchtlingspolitik sowie die Auswirkungen der EU auf die Rechtsstaatlichkeit in einem zunehmend vom Populismus geprägtem politischen Klima. Dieses Seminar beschäftigt sich
1) mit kritischen Positionen sowie mit weiterführenden Fragen zur EU,
2) in welcher Form – wenn überhaupt – die Europäisch Union normativ zu befürworten ist und
3) welche alternativen demokratischen und sozialen Institutionen geschaffen oder abgeschafft werden sollten, sei dies auf supranationaler transnationaler oder nationaler Ebene.
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| Literatur |
- Bauböck, Rainer (2018) Refugee Protection and Burden-Sharing in the European Union. Journal of Common Market Studies, 56, 141-56.
- Bellamy, Richard (2019) A Republican Europe of States. Cambridge University Press, Kapitel 2.
- Ceva, Emanuela, and Gideon Calder (2009) ‘Values, Diversity and the Justification of EU Institutions’, Political Studies, 57, 828-45.
- Cheneval, Francis, Sandra Lavenex, and Frank Schimmelfennig (2015) Demoi-cracy in the European Union: Principles, Institutions, Policies. Journal of European Public Policy, 22, 1-18.
- Fabbrini Sergio (2019) Europe’s Future: Decoupling and Reforming. Cambridge University Press, Kapitel 5.
- Føllesdal, Andreas/Hix, Simon (2005) Why there is a Democratic Deficit in the European Union. A Response to Majone and Moravcsik. In: European Governance Papers, No. C-05-02.
- Habermas, Ju¨rgen (2011) Zur Verfassung Europas. Ein Essay. Suhrkamp, 39-74. - Holtug, Nils (2016) A Fair Distribution of Refugees in the European Union, Journal of Global Ethics, 12, 279-88.
- Kelemen, R. Daniel (2017) Europe’s other Democratic Deficit: National Authoritarianism in Europe’s Democratic Union. Government and Opposition, 52(2), 211-238.
- Müller, Jan-Werner (2015) Should the EU protect democracy and the rule of law inside member states? European Law Journal, 21:141-60.
- Olsen, Tore Vincents and Rostbøll, Christian F. (2017) Why Withdrawal from the European Union Is Undemocratic. International Theory, 9 (3), 436-465.
- Patberg, Markus (2019) Can Disintegration Be Democratic? The European Union Between Legitimate Change and Regression. Political Studies, 1-18.
- Pech, Laurent, & Scheppele, Kim. L. (2017) Illiberalism within: rule of law backsliding in the EU. Cambridge Yearbook of European Legal Studies, 19, 3-47.
- Sangiovanni, Andrea. (2013) Solidarity in the European Union. Oxford Journal of Legal Studies 33, 213-241.
- Scherz, Antoinette (2019) Tying Legitimacy to Political Power: Graded Legitimacy Standards for International Institutions. European Journal of Political Theory, online first.
- Streeck, Wolfgang. (2014) Small-State Nostalgia? The Currency Union, Germany, and Europe: A Reply to Jürgen Habermas. Constellations, 21, 213-21.
- Viehoff, Juri (2018) Eurozone Justice. Journal of Political Philosophy, 26, 388-414.
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