Rechtspopulismus und Sozialforschung (Research Design and Methods in Qualitative Research)
| Dozent/in |
Dr. des. Maurits Heumann |
| Veranstaltungsart |
Masterseminar |
| Code |
HS221339 |
| Semester |
Herbstsemester 2022 |
| Durchführender Fachbereich |
Politikwissenschaft |
| Studienstufe |
Bachelor
Master |
| Termin/e |
wöchentlich (Mi), ab 21.09.2022, 10:15 - 12:00 Uhr, 4.B01 |
| Umfang |
2 Semesterwochenstunden |
| Inhalt |
Im Seminar sollen Master- und fortgeschrittene Bachelorstudierende Erfahrungen mit qualitativen Forschungsdesigns und -methoden sammeln. Das Seminar steht im Kontext des laufenden Forschungsprojekts «Populism as Peripheral Resentment» und ermöglicht die Verbindung von Forschung und Lehre.
Als ‘rechtspopulistisch’ wird in den Sozialwissenschaften eine zweidimensionale, antagonistische Weltsicht beschrieben. Anti-Establishment und Anti-Pluralismus sind die beiden Kernelement rechtspopulistischer Einstellungen. Herrscht angesichts dieser Phänomenbeschreibung noch weitestgehend Konsens unter Sozialwissenschaftler:innen wird mit Blick auf die Erforschung der sozialen Ursachen des Rechtspopulismus eine lebendige Kontroverse geführt. Hier konkurrieren sozialstrukturelle Erklärungsanätze mit soziokulturellen und postdemokratischen. Auch soziogeografische Faktoren werden zunehmend in die Erklärung mit einbezogen. Der Rechtspopulismus wird aus dieser Perspektive vor allem als Phänomen der Peripherie begriffen.So ist der Schweizer Stadt-Land-Graben zum Beispiel ein zuverlässiger Erklärungsfaktor für rechtspopulistische Weltbilder.
Um die konkreten Ausprägungen sowie ihre biografischen und regionalen Entstehungs- und Verbreitungsbedingungen zu untersuchen, eignen sich in besonderer Weise die Erhebungs- und Auswertungsverfahren der qualitativen Sozialforschung – stellen die Sozialforscher:in aber auch vor besondere Herausforderungen. Neben der Interviewforschung (u.a. narrative Interviews, Gruppengespräche) haben sich innerhalb der Rechtspopulismusforschung auch ethnografische Ansätze bewährt gemacht.
Im ersten Teil des Seminars werden wir uns mit einschlägigen qualitativen Studien zum Thema befassen. Im zweiten Teil werden die Studierenden darauf vorbereiten, mit Hilfe von qualitativen Interviews, teilnehmenden Beobachtungen und Feldnotizen eigene Daten zu erheben und qualitativ auszuwerten. Im Laufe des Semesters werden die Studierenden zwei bis drei Interviews durchführen, transkribieren und auswerten.
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| Lernziele |
Kenntnisse im Bereich der Rechtspopulismusforschung
Kenntnisse der qualitativer Sozialforschung
Planung und Durchführung eines eigenen Forschungsprojekts (in Gruppenarbeit)
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| Voraussetzungen |
Nur Master- und fortgeschrittene Bachelorstudierende
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| Sprache |
Englisch |
| Leistungsnachweis |
4 Credits: Aktive Teilnahme, Durchführung eines eigenen Forschungsprojekts und Verfassen eines Forschungsberichts.
Zusätzliche 6 Credits: Methodische und theoretische Reflexion des Forschungsprojekts und Verfassen einer Hausarbeit.
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| Abschlussform / Credits |
Aktive Teilnahme, Referat / 4 Credits
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| Hörer-/innen |
Nein |
| Kontakt |
maurits.heumann@unilu.ch |
| Material |
Eigenständig erhobenes Interviewmaterial |
| Literatur |
Auswahl:
Cramer, K. J. (2016). Politics of Resentment: Rural Consciousness in Wisconsin and the Rise of Scott Walker. Chicago: UCP.
Heumann, M. & O. Nachtwey (2021). Autoritarismus und Zivilgesellschaft. Eine empirische Studie zum neuen Autoritarismus. IfS Working Papers Nr. 16. Frankfurt am Main: Institut für Sozialforschung
Hermann, M., Bühler, G. & V. Wengler (2021). Stadt-Land-Monitor 2021. Studienbericht. Sotomo im Auftrag der fenaco Genossenschaft.
Jörke, D. & O. Nachtwey (2017). Das Volk gegen die (liberalen) Eliten. Leviathan Sonderband, 32.
Kruse, J. (2014). Qualitative Interviewforschung. Ein integrativer Ansatz. Weinheim: Beltz Juventa.
Müller, J.-W. (2016). Was ist Populismus?. Berlin: Suhrkamp.
Russel Hochschild, A. (2017). Fremd in ihrem Land. Eine Riese ins Herz der amerikanischen Rechten. Frankfurt: Campus Verlag. |
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