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Hat das Sein (k)einen Sinn? Antworten von Aristoteles über al-Farabi und Thomas von Aquin zu Frege


Dozent/in Prof. Dr. phil. Giovanni Ventimiglia
Veranstaltungsart Hauptseminar
Code HS231343
Semester Herbstsemester 2023
Durchführender Fachbereich Theologie
Studienstufe Bachelor Master
Termin/e Di, 19.09.2023, 14:15 - 16:00 Uhr, 3.B52
Di, 26.09.2023, 14:15 - 16:00 Uhr, 3.B52
Di, 03.10.2023, 14:15 - 16:00 Uhr, 3.B52
Di, 10.10.2023, 14:15 - 16:00 Uhr, 3.B52
Di, 17.10.2023, 14:15 - 16:00 Uhr, 3.B52
Di, 24.10.2023, 14:15 - 16:00 Uhr, 3.B52
Di, 31.10.2023, 14:15 - 16:00 Uhr, 3.B52
Di, 07.11.2023, 14:15 - 16:00 Uhr, 3.B52
Di, 14.11.2023, 14:15 - 16:00 Uhr, 3.B52
Di, 21.11.2023, 14:15 - 16:00 Uhr, 3.B52
Di, 28.11.2023, 14:15 - 16:00 Uhr, 3.B52
Di, 05.12.2023, 14:15 - 16:00 Uhr, 3.B52
Di, 12.12.2023, 14:15 - 16:00 Uhr, 3.B52
Di, 19.12.2023, 14:15 - 16:00 Uhr, 3.B52
Umfang 2 Semesterwochenstunden
Turnus Kein Turnus
Inhalt "Existiert Gott?", "Existiert Königin Elisabeth II. (noch)?", "Existiert die Mafia?" "Existiert die (wahre) Liebe?", "Existiert die Freiheit?", "Existiert die Weisheit?", "Existiert die Blässe?", "Existiert Lord Voldemort?", "Existiert das Böse?", "Existiert die Quadratwurzel aus vier?", "Existieren schwarze Schwäne"? "Existieren ausserirdische Intelligenzen?": All diese Fragen haben das Verb "existieren" gemeinsam. Aber ist der Sinn dieses Verbs in allen Sätzen derselbe?

In der Geschichte der Philosophie wurden unterschiedliche Antworten auf diese Fragen gegeben. Nach Aristoteles gibt es vier Bedeutungen von Sein; nach Al-Farabi, Averroes, Thomas von Aquin und anderen mittelalterlichen Philosophen hingegen gibt es zwei Bedeutungen von Sein; nach Gottlob Frege (zumindest in der Auslegung von Betrand Russell und Willard Van Orman Quine) gibt es nur eine Bedeutung von Existenz: "Es ist ja Bejahung der Existenz nichts Anderes als Verneinung der Nullzahl."

Es sieht jedoch nicht so aus, als ob Hamlet, als er sich die Frage "Sein oder Nichtsein?" stellte, mit einer bloss logisch-mathematischen Denksportaufgabe konfrontiert war - Null oder grösser als Null? Vielmehr stand er mit grossem Unbehagen vor einer existenziellen Frage: noch existieren oder nicht mehr existieren, leben oder sterben?

Die Debatte über eben dieses Thema ist in der analytischen Metaphysik noch einmal lebhaft und äusserst interessant. Einige zeitgenössische Autoren (wie Peter Geach, Anthony Kenny, Barry Miller, Colin McGinn, William Vallicella und Kris McDaniel), die die Auffassung von Frege-Russell-Quine nicht teilen, beziehen sich oft auf Aristoteles oder Thomas von Aquin.

Das Seminar schlägt daher eine erneute Lektüre einiger Klassiker der Metaphysik vor, wie Aristoteles’ Metaphysik (insbesondere die Bücher IV, V und VI), das sogenannte Epitome von Averroes, Thomas von Aquins De ente et essentia sowie die beiden Klassiker von Gottlob Frege: Die Grundlagen der Arithmetik und Dialog mit Pünjer über das Dasein.

Das Seminar ist chronologisch und philosophiegeschichtlich aufgebaut, um die Abhängigkeit einiger Texte von anderen zu entdecken und zu analysieren, ist aber gleichzeitig auch als Einführung in die Metaphysik von Aristoteles, Al-Farabi, Averroes, Aquin und Gottlob Frege konzipiert.

Das Seminar verwendet Hauptquellen und Sekundärliteratur, die in der deutschen oder englischen Übersetzung vorhanden sind. Die Referate und anschliessenden Diskussionen können sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch gehalten werden.
Lernziele Die Studierenden gewinnen im Laufe der Vorlesung einen Überblick über die Hauptpositionen der Philosoph:innen zu den Grundfragen der Ontologie. Sie werden dabei mit den Ansichten der wichtigsten Philosoph:innen der klassischen sowie zeitgenössischen analytischen Philosophie auf diesem Gebiet vertraut gemacht. Darüber hinaus werden sie die Kerngedanken dieser Texte nachvollziehen und in eigenen Worten wiedergeben können. In Form einer Präsentation werden die Studierenden die Möglichkeit haben, eigene Fragen zur Argumentation und zum Inhalt philosophischer Quellen zu formulieren, darauf einzugehen und mit Mitstudierenden zu diskutieren.
Voraussetzungen Einführung in die Philosophie
Sprache Deutsch
Begrenzung Max. 26 Teilnehmende
Prüfung - Bestätigte Teilnahme mit Impuls-Referat (2 Cr) (= Bestätigte Teilnahme)
- Bestätigte Teilnahme mit Referat (3 Cr) (= Bestätigte Teil-nahme mit Zusatzleistung)
- Benotete schriftliche Arbeit (4 Cr)
- KSF: Aktive Teilnahme (Referat) (4 Cr)*

* Verpflichtend und vorbehalten für Anrechnung in KSF-Modulen. Gilt nicht für RWP-Studierende.
Abschlussform / Credits Bestätigte Teilnahme / 2 Credits
Bestätigte Teilnahme mit Zusatzleistung / 3 Credits
Benotete schriftliche Arbeit / 4 Credits
Aktive Teilnahme (Referat) / 4 Credits
kein Abschluss / 0 Credits
Entscheidung im November / 0 Credits
Aktive Teilnahme (Promotion) / 0 Credits
Hinweise Die Teilnahme in der 1. Woche ist verpflichtend, für die allgemeine Vorstellung des Seminars und die Planung der Sitzungen.

Pflichtinhalt(e) für Vollstudium Theologie:
Philosophie: Metaphysik;
Philosophie: Philosophiegeschichte
Hörer-/innen Ja
Kontakt philosophie_tf@unilu.ch
Literatur Aristoteles. Metaphysik, Hermann Bonitz (übers.) und Horst Seidl (hrsg.), zwei Bände. Hamburg: Felix Meiner; Bücher IV, V, VI.



• Averroes. On Aristotle’s "Metaphysics": An Annotated Translation of the So-Called "Epitome", Arnzen Rüdiger (hrsg.). Berlin: De Gruyter 2010.



• Gottlob Frege. Grundlagen Der Arithmetik: Studienausgabe Mit Dem Text Der Centenarausgabe, Christian Thiel (hrsg.). Hamaburg: Felix Meiner Verlag 2017.



• Gottlob Frege. “Dialog mit Pu¨njer über Existenz,” in: Gottlob Frege. Schriften zur logik und sprachphilosophie aus dem Nachlass. Hamburg: Felix Meiner Verlag 1971, 1-22.



• Thomas Aquinas. De Ente Et Essentia Lateinisch - Deutsch. Freiburg: Herder 2007.