| Dozent/in |
Prof. Dr. phil. Giovanni Ventimiglia di Geraci; PD Dr. Federica Gregoratto |
| Veranstaltungsart |
Hauptseminar |
| Code |
HS261256 |
| Semester |
Herbstsemester 2026 |
| Durchführender Fachbereich |
Theologie |
| Studienstufe |
Bachelor
Master |
| Umfang |
2 Semesterwochenstunden |
| Turnus |
Kein Turnus |
| Inhalt |
Was meinen wir eigentlich, wenn wir von Gott sprechen? Beschreiben und konzeptualisieren wir eine transzendente Realität oder bringen wir durch religiöse Sprache unseren tiefsten Bedürfnissen und Wünschen zum Ausdruck?
Das Seminar untersucht zentrale moderne Interpretationen der Religion aus philosophischen, theologischen und psychologischen Perspektiven. Ausgangspunkt ist Georg Wilhelm Friedrich Hegels Figur des “unglücklichen Bewusstseins” aus seiner Phänomenologie des Geistes. Religiöse Erfahrung entsteht hier aus einer inneren Spaltung: Gott wird als absolut, unendlich und vollkommen gedacht, während der Mensch sich selbst als begrenzt und unvollständig wahrnimmt. Wie beeinflusst diese Struktur die Art und Weise, wie über Gott gesprochen wird?
Im Anschluss an Hegel interpretiert Ludwig Feuerbach Gott als Projektion von grundlegenden menschlichen Wünsche und Bedürfnisse. Göttliche Eigenschaften wie Güte, Liebe, Allmacht oder Gerechtigkeit spiegeln die strukturellen Bedürfnisse des Menschen wider. Eine mögliche Weiterentwicklung der Feuerbachschen Perspektive wird von Sigmund Freud unternommen, indem er Religion als Illusion versteht, die aus kindlichen Bedürfnissen nach Schutz und Sicherheit entsteht. Inwiefern kann Gott als idealisierte Vaterfigur verstanden werden, und welche Konsequenzen hat dies für das individuelle und kollektive religiöse Leben?
Carl Gustav Jung bietet schließlich eine alternative Ansicht: Religion sei ein psychisches Geschehen, das mit tiefen Strukturen des kollektiven Unbewussten verbunden ist. Göttliche Eigenschaften werden zu Symbolen universeller psychischer Bedürfnisse, die Orientierung geben und menschliche Erfahrung transformieren können.
Eine Leitfrage zieht sich durch das Seminar: prädizieren die Eigenschaften Gottes etwas über Gott selbst oder ‘lediglich’ über den Menschen? Wenn Religion aus einem Bedürfnis – einer Art ‘Durst’ – entsteht, ist Gott, das Wasser, nur eine Illusion? Oder sollten wir eher sagen: wenn Durst existiert, muss irgendwo das Wasser auch vorhanden sein, sonst wäre der Durst einfach sinnlos?
Das Seminar basiert auf der Lektüre und Diskussion signifikanter Auszüge aus den Werken der Autoren. |
| Lernziele |
Das Seminar soll den Studierenden ermöglichen, einige wichtige Fragen zu verstehen, die in der modernen und zeitgenössischen Philosophie und Psychologie hinsichtlich des Verhältnisses zwischen Religion und Psychologie aufgetaucht sind. Während des Seminars werden einige Auszüge aus relevanten Texten von Hegel, Feuerbach, Freud und Jung analysiert und kritisch diskutiert. Besonderes Augenmerk wird auf die philosophische Analyse der Religionskritik von Feuerbach und Freud gelegt. |
| Voraussetzungen |
Einführung in die Philosophie |
| Sprache |
Deutsch |
| Begrenzung |
Max. 24 Teilnehmende. Ab der 25. Anmeldung wird eine Warteliste geführt. |
| Leistungsnachweis |
- Bestätigte Teilnahme mit Impuls-Referat (2 Cr) (= Bestätigte Teilnahme)
- Bestätigte Teilnahme mit Referat (3 Cr) (= Bestätigte Teilnahme mit Zusatzleistung)
- Benotete schriftliche Arbeit (4 Cr) |
| Abschlussform / Credits |
Bestätigte Teilnahme / 2 Credits
Bestätigte Teilnahme mit Zusatzleistung / 3 Credits
Benotete schriftliche Arbeit / 4 Credits
kein Abschluss / 0 Credits
Aktive Teilnahme (Promotion) / 0 Credits
|
| Hinweise |
Teilnahmeoptionen:
- Live-Zuschaltung via Zoom
Die Live-Zuschaltung in der 1. Woche ist verpflichtend.
Pflichtinhalt(e) für Vollstudium Theologie:
Philosophie: Anthropologie |
| Hörer-/innen |
Ja |
| Kontakt |
philosophie_tf@unilu.ch / federica.gregoratto@unilu.ch |
| Literatur |
G. W. F. Hegel, Phänomenologie des Geistes
L. Feuerbach, Das Wesen des Christentums
S. Freud, Die Zukunft einer Illusion; Totem und Tabu
C. G. Jung, Psychologie und Religion; Antwort auf Hiob; Symbole der Wandlung
|